Nr. 05 · 15. August 2026

Warum das Recht auf Beziehungen nicht vom Handicap abhängt…

Mensch im Mittelpunkt.

15. August 2026

© Dimateo

7 Min. Lesezeit

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Jeder Mensch möchte lieben und geliebt werden. Einen Freund haben. Jemandem nah sein. Vertrauen, füreinander da sein, gemeinsam lachen und von der Zukunft träumen. Für die meisten Menschen ist das ein selbstverständlicher Teil des Lebens.

Doch wenn es um einen Menschen mit Behinderung geht, werden manchmal ganz andere Fragen gestellt: „Kann er überhaupt eine Beziehung führen?“, „Kann sie heiraten?“, „Kann er ein guter Vater sein?“

Manche dieser Fragen entstehen aus Sorge. Andere aus Unsicherheit. Und manchmal bekommt ein Mensch mit Behinderung einfach nicht die Möglichkeit, selbst darauf zu antworten.

Doch Beziehungen gehören zum menschlichen Leben. Eine Behinderung nimmt einem Menschen weder die Fähigkeit zu lieben noch das Recht, geliebt zu werden.

Liebe…

Über den Autor

Dimateo

Projektassistent bei heartbeat mit Herz.

Ein Recht, das jedem Menschen gehört…
aber in der Praxis nicht immer anerkannt wird

Artikel 23 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) stellt ausdrücklich fest: Menschen mit Behinderungen haben gleichberechtigt mit anderen das Recht zu heiraten, eine Familie zu gründen, selbstbestimmte Entscheidungen über Kinder zu treffen und ihre Fortpflanzungsfähigkeit zu bewahren. Staaten sollen Diskriminierung in Fragen von Ehe, Familie, Elternschaft und Beziehungen beseitigen.

Das bedeutet mehr, als nur das Recht, eine Unterschrift unter eine Heiratsurkunde zu setzen.

Es bedeutet, selbst entscheiden zu dürfen, mit wem man eine Beziehung aufbauen möchte. Es bedeutet das Recht auf Freundschaft, auf Privatsphäre und Nähe. Das Recht, von einem eigenen Zuhause und einer Familie zu träumen. Und – wenn ein Mensch dies möchte und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt – auch das Recht, Eltern zu sein.

Das Gesetz kann eine Tür öffnen. Doch oft sind es ganz andere Barrieren, die einen Menschen daran hindern, durch diese Tür zu gehen.

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Manchmal ist die größte Barriere nicht die Behinderung, sondern die Vorstellung anderer Menschen

Aktuelle Forschung zeigt, dass romantische Beziehungen und Sexualität noch immer nicht ausreichend als Teil des Lebens von Menschen mit Behinderungen wahrgenommen werden. Eine Studie aus dem Jahr 2024 mit neurodivergenten jungen Menschen zeigte, dass Fragen von Liebe, Nähe und sexueller Bildung für sie eine große Bedeutung haben, ihre Erfahrungen und Bedürfnisse jedoch häufig nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2024 zu autistischen Jugendlichen und Erwachsenen zeigt ebenfalls: Menschen wünschen sich enge Beziehungen, stoßen jedoch unter anderem auf Schwierigkeiten in der Kommunikation, soziale Isolation und fehlende Möglichkeiten, Beziehungen aufzubauen.

Besonders schwierig kann die Situation für Menschen mit intellektuellen Behinderungen sein. Hier wird der Wunsch nach einer Beziehung manchmal überhaupt nicht ernst genommen. Anstelle von Unterstützung erfahren sie Kontrolle.

Doch Unterstützung und Kontrolle sind nicht dasselbe.

Einem Menschen zu helfen, Kontakte zu knüpfen, eigene Gefühle zu verstehen und gesunde Beziehungen aufzubauen, bedeutet, ihm mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Für ihn zu entscheiden, dass er „nicht beziehungsfähig“ sei, „keine Beziehung haben sollte“ oder „niemals Eltern sein könne“, bedeutet dagegen, ihm die Möglichkeit zu nehmen, sein eigenes Leben zu gestalten.

Das heartbeat-Herz, ein grünes Herz mit grünen und weißen Linien, die einen Herzschlag andeuten.

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Wenn wir Beziehungen innerhalb einer Familie stärken, unterstützen wir auch den Menschen mit Behinderung.

Wenn Fürsorge zu einer großen Belastung wird, braucht auch die Familie Unterstützung

Eine Behinderung betrifft nicht nur den einzelnen Menschen. Sie kann das Leben der ganzen Familie verändern.

Eltern eines Kindes mit Behinderung werden häufig gleichzeitig zu Helfern, Beschützern, Organisatoren von Therapien und zu den wichtigsten Ansprechpartnern ihres Kindes. Diese dauerhafte Belastung kann auch die Beziehung zwischen den Eltern beeinflussen.

Eine Studie aus dem Jahr 2024 über Väter von Kindern mit Behinderungen zeigt, dass Eltern mit erhöhtem Stress konfrontiert sein können und dass sich die Verteilung von Aufgaben, Kommunikation und emotionaler Nähe innerhalb der Partnerschaft verändern kann. Die Autoren betonen deshalb die Bedeutung von Unterstützung nicht nur für das Kind, sondern auch für die Beziehung der Eltern.

Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024, die 27 Studien mit insgesamt 1.325 Teilnehmenden einschloss, zeigte, dass Programme zur Stärkung der Beziehung zwischen Eltern und Kindern mit intellektuellen Behinderungen die Qualität dieser Beziehungen verbessern können. Auch die soziale und kommunikative Entwicklung der Kinder kann dadurch positiv beeinflusst werden.

Familienunterstützung ist deshalb keine nebensächliche Hilfe.

Nicht die Behinderung ist die größte Barriere – sondern das, was andere einem Menschen nicht zutrauen.

Zeitlose Weisheit
„Wer Gott ehrt und ihm gehorcht, dem wird es gut gehen“ (Prediger 8,12b)

Das ist keine Regel – es ist eine Beobachtung. Wo Liebe, Vertrauen und Respekt füreinander wachsen, entstehen echte Beziehungen. Nicht perfekte. Aber lebendige.

Im Alltag, wenn wir auf Unverständnis stoßen oder eine feste Grundlage für unsere Überzeugungen finden möchten, suchen wir oft nach Antworten in Büchern, in Erfahrungen oder in der Meinung anderer. Doch es gibt eine Quelle der Weisheit, die der Menschheit seit Jahrhunderten klare Orientierung in Fragen der Liebe, der Familie und der Würde des Menschen gibt – die Bibel.

Sie teilt Menschen nicht nach ihren körperlichen oder geistigen Fähigkeiten ein. Im Gegenteil, sie bekräftigt den Wert jedes Menschen und ruft zu Liebe und Annahme auf.

Die Bibel spricht über den Menschen zuerst als Geschöpf Gottes. „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde…“ (1. Mose 1,27)

Der Wert eines Menschen wird nicht an seinen körperlichen Fähigkeiten gemessen.

Jesus wandte sich immer wieder Menschen zu, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt wurden. In seinem Umgang mit Menschen waren nicht Diagnose, sozialer Status oder die Meinung anderer entscheidend, sondern der Mensch selbst.

Und die Liebe wird zu einem der wichtigsten christlichen Werte: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ (Johannes 15,12)

Für heartbeat bedeutet das etwas sehr Einfaches: Ein Mensch mit Behinderung soll nicht von menschlicher Nähe ausgeschlossen werden, nur weil er mehr Unterstützung braucht.

Jeder Mensch braucht Menschen, die sagen: Du bist wichtig. Dein Leben zählt.

heartbeat: Der Mensch im Mittelpunkt
heartbeat kann nicht alle Probleme der Welt lösen.

Aber wir können bei einem konkreten Menschen sein.

Wir begleiten Menschen mit Behinderungen in Taiwan. Durch das Patenschaftsprogramm geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung. Im Mittelpunkt stehen Beziehungen, Aufmerksamkeit, Gebet und menschliche Würde.

Wir möchten hinter der Diagnose den Menschen sehen.

Einen Menschen, der Freundschaft möchte.
Einen Menschen, der gehört werden möchte.
Einen Menschen, der lieben möchte.
Einen Menschen, der von einer eigenen Familie träumt.

Deshalb ist Patenschaft nicht einfach finanzielle Unterstützung.

Sie ist eine Möglichkeit zu sagen:

„Du bist wichtig. Deine Wünsche sind wichtig.  Dein Leben zählt.“

Denn Liebe ist kein Privileg der „Gesunden“.
Liebe gehört zur Würde jedes Menschen.

Eine Frage zum Schluss
Wenn wir einen Menschen mit Behinderung sehen – was nehmen wir zuerst wahr? Seine Diagnose?

Oder den Menschen, der wie jeder von uns einen Freund haben, lieben, geliebt werden und wissen möchte:

„Ich bin nicht allein. Ich bin jemandem wichtig. Ich habe meinen Platz.“

Genau hier beginnt echtes „Mensch im Mittelpunkt“.

Logo des Patenschaftsprogramms heartbeat. Links das Wort heart, rechts daneben ein grünes Herz mit abgehenden Linien, die einen Herzschlag andeuten, rechts daneben das Wort "beat". Unter dem Wort "heart" ein Stempel mit der Inschrift "Ungehindert würdig leben" und unter Herz und "beat" die Worte "für Menschen mit Behinderungen" Zwei taiwanische Kinder schauen neugierig und ein wenig schüchtern in die Kamera. Ein junger Mann, ein Patenkind von heartbeat im Rollstuhl mit einer Bethesda-Schürze grinst in die Kamera. Ein Video, das Menschen mit Behinderungen in Alltagssituationen zeigt: Beim Malen mit dem Fuß, Cheerleading und zusammen lachen auf dem Spielplatz. Hilfe & Patenschaften für Menschen mit Behinderungen.

c/o Stiftung Marburger Mission

Dürerstraße 30A
35039 Marburg

Tel.: 06421/912312
Mail: info@mm-heartbeat.org

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Sparkasse Marburg-Biedenkopf

IBAN: DE21 5335 0000 0014 0018 32
BIC: HELADEF1MAR