Einblicke / Ein normaler Tag

平安!(ping an: Friede mit dir)
Mein Name ist Sabu. Ich wohne im 5. Stock in Bethesda und bin mehrfach behindert, geistig und körperlich. Weil meine Beine nicht gerade gewachsen sind, muss ich an einer Art Rolator laufen. Ich habe viel Spaß am Leben und lache oft und gerne.
Heute werde ich euch erzählen, wie ein ganz normaler Schultag für mich aussieht:
Morgens um sechs Uhr werde ich von einer der Lehrerinnen (in Deutschland sagen wir Betreuerin) geweckt. Dann muss ich mich schnell anziehen und mir die Zähne putzen, da es um halb sieben Frühstück gibt. An manchen Tagen tragen wir Schuluniform, aber meistens dürfen wir Alltagskleidung anziehen. Während des Frühstücks kommt meistens Monika vorbei, die Mitarbeiterin der Marburger Mission aus Deutschland, die bei uns arbeitet. Um halb acht setzen wir uns in unsere Schulbusse. Dann habe ich Unterricht. Viele von uns gehen an eine normale Schule mit einem Zweig für Kinder mit Behinderungen.

Um halb eins/eins komme ich nach Hause. Dann sind noch nicht alle Kinder da, manche kommen erst um halb vier/vier, oder sogar erst um halb fünf. Ich habe dann schon meinen Mittagsschlaf hinter mir und das Wasser trinken und Kekse/Snacks essen um 14 Uhr. Danach kämpfe ich mit meiner Lehrerin. Natürlich nur verbal...
Warum? Naja, wie die meisten anderen Kinder mag auch ich es nicht, Hausaufgaben zu schreiben. Irgendwann, meist wenn die Hausaufgaben geschrieben sind, gehe ich duschen. Dabei brauche ich nicht so viel Hilfe. Und manchmal gehen wir für kurze Zeit raus.
Doch um fünf Uhr sitzen alle Kinder und Lehrer an den Tischen, denn dann kommt unsere warme Mahlzeit. Wir essen immer Reis oder Nudeln, frisches Gemüse, Fisch oder Fleisch und eine Suppe. Nach dem Essen putzen wir Kinder uns die Zähne und die, die körperlich nicht behindert sind, sorgen für den Abwasch, putzen und räumen auf. Bis halb sieben dürfen wir dann noch mal auf den großen Hof spielen gehen. Anschließend hören wir die Andacht die unsere Lehrerin hält oder schauen eine biblische DVD.
Bis wir schlafen gehen macht jeder von uns etwas anderes. Die Kinder die noch ihre Hausaufgaben erledigen müssen, gehen in die Hausaufgabengruppe oder arbeiten im Stock. An manchen Tagen wird getanzt oder Sport gemacht. Wir Kinder die wir nicht so gut oder gar nicht laufen können beschäftigen uns am Tisch mit Spielen oder Steckarbeiten um unsere Motorik zu verbessern. Manchmal schauen wir jedoch auch fern.
Dann gehen wir - je nach unserem Alter - in Etappen ins Bett, einer nach dem Anderen. Eigentlich müssten wir nun leise sein... aber wir sind schließlich Kinder. Bis wir schlafen dauert es eine Weile. Wie in einer richtigen Familie.